Plattenbosse treffen Edelpenner

Der Titel des mit dem Platten-Groß-Label „Universal Music“ zusammen gemachten Albums „Eine Revolution ist viel zu wenig“. Kapital trifft Systemaussteiger, beziehungsweise „Edelpenner“. Das kann ja heiter werden. Vor wenigen Tagen haben Elias Gottstein und Luis Zielke ihre spontane Release-Party Nahe der Volksbühne in Berlin im Polizeiwagen verlassen müssen. Überrascht hat es kaum. Die Fans wollten Zugaben, die Anwohner schlafen. Dass die Ordnungshüter zu ihren Fans gehören, bei vielen spontanen Muggen anrücken und den Strom ziehen, das Publikum vertreiben und weder eine Auftrittsgenehmigung noch Meldeadressen vorfinden, gehört zum Ritual, zur Dramaturgie des Duos „Guaia Guaia“.

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Männer baggern wie blöde

Ein Mann wagt den totalen Perspektivwechsel. Für ein Jahr verwandelt er sich in eine Frau. Mit allen Konsequenzen bricht er Tabus. Christian Seidel schrieb jetzt auf, was er als Christine mit Männern und Frauen erlebt hat.

Christian Seidel
Christian Seidel: Mut zur Frau? Foto: Florian Seidel
Christian Seidel
Christian? Christiane? Foto: Florian Seidel

„Das ist ein absolutes no go! Mit dem Gedanken in die Damenabteilung eines Kaufhauses gehen, um dort etwas für sich selbst zu kaufen“, kommt Christian Seidel schnell zum Kern der Sache. Dieser Mann hat schon so einiges ausprobiert. War Filmproduzent, Medienunternehmer, Berater, Buchautor. Für sein neuestes Buch hat er einen gewagten Selbstversuch unternommen.

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„Wir waren und sind ja keine Polit-Rock-Band“

Silly und Anna Loos
Silly und Anna Loos

Die Band in der Besetzung Anna Loos, Ritchie Barton, Uwe Hassbecker und Jäcki Reznicek bringt ihr zweites Album „Kopf an Kopf“ heraus und geht mit neuen und alten Stücken auf Tour. Unser Mitarbeiter Ralph Schipke sprach mit den vier Künstlern über ihre Arbeit.

Die erfolgreichsten Silly-Alben kamen immer ziemlich genau auf den Punkt: „Februar“ in die Endzeit-Argonie der DDR, mit „Hurensöhne“ war der „Wende-Blues“ überwunden, und neues Selbstbewusstsein entstand im Osten der Republik. Mit „Alles Rot“ hat sich die Band mit neuer Sängerin neu erfunden. Welchen Meilenstein wollt ihr mit „Kopf an Kopf“ setzen?
Uwe: Wir können leider die Zeitmaschine jetzt nicht anwerfen: Die aufgezählten Wegpunkte waren ja alle erst in der Rückschau feststellbar. Ich glaube nicht, dass es irgendjemand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung so erkannt hat. Lass uns abwarten, was mit diesem Album passiert.

Anna: Obwohl keiner eine Zeitmaschine hatte, ist speziell auf „Februar“ und „Hurensöhne“ die Stimmung, die im Land herrschte, auf dem Album wiederzufinden. Auch der Neubeginn der Jungs mit mir lag in der Band drin. Die Jungs hatten zehn Jahre keine Silly-Platte gemacht. Ich vor „Alles Rot“ noch nie ein komplettes Album. Wenn wir eine Idee haben, was in „Kopf an Kopf“ stecken könnte, ist es aus meiner Warte das Silly-Album in der neuen Konstellation mit mir als Sängerin, wo der Ball richtig rollt. Wir sind als Band in den letzten sieben Jahren ganz eng zusammengewachsen.

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Kein Gespenst geht mehr in der Mitropa um

Silly Album-Cover
Silly: Kopf an Kopf

Vorweg gesagt sei: Wir sind oft besonders kritisch, wenn es um Sachen und Leute geht, die wir besonders mögen. Silly gehört dazu. Mit ihrer Musik verbindet sich so viel. Da wird ein neues Album voller Ungeduld erwartet. Das vorhergehende „Alles Rot“ war ein ziemlich großer Wurf. Die Band hatte sich wieder neu erfunden. Dank Anna Loos konnte es musikalisch auch auf den Bühnen des Landes weitergehen mit dieser Band. Ihre Stimme war neu und stark. Und doch keine Blaupause von Tamara Danz, die bis zu ihrem zu frühen Tod Silly Gesicht und Stimme und Richtung gegeben hatte. Auch die neuen Texte vom alten Werner Karma gaben der Band zurück, was längst verloren geglaubt war.

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Romantik ist anders

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Was ist ein Trio? Ein ostdeutsches Sinfonieorchester nach einer London-Tournee. Dies war dann noch einer der harmloseren Gags des Autorenduos Jacinta Nandi (London/Berlin) und Jakob Hein (Ost-Berlin) in der Neubrandenburger Thalia-Buchhandlung. Foto: Ralph Schipke

Wenn ein ostdeutscher Psychiater und eine britische Bloggerin zusammen ein Buch schreiben, hauen sie sich gegenseitig Klischees um die Ohren, bis der Arzt kommt.

Die Witze der Ossis waren legendär. Witze über den Osten und seine Bewohner hingegen sind heute nicht überall populär. Oder? Wenn man zwischen Fichtelberg (höchster DDR-G-Punkt) und Kap Arkona (nördlichste erogene Zone der größten DDR der Welt) etwas gelernt hat, dann: Über sich selbst zu lachen.

Kostprobe? Was ist ein Trio? Ein ostdeutsches Sinfonieorchester nach einer London-Tournee. Dies war dann noch einer der harmloseren Gags des Autorenduos Jacinta Nandi (London/Berlin) und Jakob Hein (Ost-Berlin) in der Neubrandenburger Thalia-Buchhandlung. Da die Buchhändlerinnen mit Schmalzstullen, Spreewaldgürkchen und Rotkäppchen(?)-Sekt das Publikum gut „angefüttert“ hatten, waren die Lesungsbesucher zum kollektiven Schenkelklopfen bereit.

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Keine sinnlosen Berge stören die Blickachse zum Horizont

Das Rauten-Muster auf dem Retro-Pullunder gehört zu Olaf Schuberts Markenzeichen. Nun kommt der schmächtige Kabarettist aus Sachsen im Norden auf Tour. Wie die Weltanschauung des „freischaffenden Betroffenheitslyrikers“ aussieht, verriet er Ralph Schipke. Als einsamer Sachse bei uns im Norden unterwegs – entstehen da Ängste bei Ihnen? Nein, ich habe ja ein Navigationsgerät. Obendrein verstellen keine … weiterlesen

Die Kunst, leise zu spielen

Keimzeit in Neustrelitz
Norbert Leisegang
Norbert Leisegang

„Und nun: Ein Stück von Heino“, kündigt Bandchef Norbert Leisegang mit einem Augenzwinkern und breitem Grinsen an. Keimzeit möchte auch etwas für die Demokratie tun.

Geigerin Gabriele Kienast tritt ans Xylofon und die Band stimmt unter dem Beifall des Neustrelitzer Publikums „Kling Klang“ an. Keimzeits ureigenen Ohrwurm, der noch aus frühem DDR-Repertoire stammt und erst 1993 auf das Album „Bunte Scherben“ kam. Gerade stürmt der Song in der Fassung von Deutsch- und Schlager-Barde Heino die Charts. Im Gegensatz zu Heino muss sich die im Brandenburgischen heimische Band nicht neu erfinden und hat sich doch erfrischend verjüngt. Ein neues Album „Midtsommer“ ist im Vorsommer auf dem kleinen norwegischen Inselchen Giske bei Ålesund entstanden. Nun ist das „Keimzeit Akustik Quintett“ damit auf Tour.

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Reichhaltiges „Studentenfutter“

Cover der "Studentenküche"
Cover der „Studentenküche“

Ravioli aus der Dose, Spagetti mit Wurstwürfeln, Rührei und das klassische Studentenfutter mit Nüssen und Trockenfrüchten als Nervennahrung – so stellt sich der Ex-Studiosus den akademischen Speiseplan vor. Dass der weit reichhaltiger sein kann, versucht Katerina Dimitriadis in „Käts Studentenküche“ zu beweisen. Da gibt es zuerst „Langschläfer- Frühstück“, wie es sich für den Studiosus gehört. Aber lecker soll es schon sein.

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Absicht und Thema – kein Sturm in a teapot

Bob Dylan (2008)
Auf dem Foto: Bob Dylan 2008 mit 67 Jahren. Lange habe ich überlegt, womit ich mein ganz persönliches Blog starten könnte… © Foto: SONY BMG

Lange habe ich überlegt, womit ich mein ganz persönliches Blog starten könnte. Und heute ist mir dann das Thema vor die Füße gefallen. Der Meister veröffentlicht am 50 Jahrestag nach seinem Bühnenstart ein neues Album. Ja, ja – ich höre jetzt das virtuelle Stöhnen vieler meiner Freunde und der Familie.

Öhhhhhhhhh – schon wieder Bob Dylan.

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