Mit dem Fahrrad zum „Latücht“

Eine neue Festivalleiterin der dokumentART erobert die Stadt der Vier Tore mit frischen Ideen, sehr viel Charme und tritt zünftig niederländisch in die Pedale. „Ich besitze keinen Wohnwagen, mag keine Tulpen. Und die holländische Fußballmannschaft finde ich bei dieser WM 2014 ganz okay.“ Kurz und bündig hakt die neue Festivalchefin der 23. Neubrandenburger dokumentART, Heleen Gerritsen, fast alle Klischees über ihr Heimatland ab.

Ganz schnell fühlte sich die neue Leiterin des internationalen Filmfestivals dokumentART in der Vier-Tore-Stadt wohl. Sie plant für den Herbst, die Leinwände aus den Kinos in die Stadt zu bringen und die Filmemacher aus aller Welt aufs Rad zu setzen. Foto: Ralph Schipke
Heleen Gerritsen

Neben einigen inhaltlichen Neuerungen für das Festival hat die niederländische Filmemacherin auch etwas sehr Typisches aus ihrer Heimat mit an den Tollensesee gebracht: eine große Vorliebe fürs Fahrrad. Sie selbst radelt fast täglich zwischen Neubrandenburg und Burg Stargard, wo sie Quartier beziehen konnte. Nun will sie während des Festivals den Gästen unbedingt Leihfahrräder organisieren, damit die die Festivalstadt und die wunderschöne Umgebung auf zwei Rädern und voll ökologisch erkunden können.

Auch neu: Das Festival-Team hat seine Drahtesel gesattelt. Und nicht nur dieses bezaubernde Quartett – Christine Höster, Lisa Wedekind, Andrea Hellmann und Festivalleiterin: Heleen Gerritsen (v.l.n.r.) – wird an den Festivaltagen durch die Stadt radeln. Auch für die Filmemacher stehen umweltfreundliche Fahrräder bereit, so dass man die vom Kinosessel steifen Körper schnell wieder locker bekommt.
Foto: Ralph Schipk

Aber bei all den frischen Ideen der 1978 geborenen Niederländerin setze die dokumentART auch auf manch Bewährtes.

Nach der endgültigen Sichtung werde das Programm wie gewohnt in Blöcke „gebaut“. So wird es wie in den Vorjahren den „Ost-Block“ mit Filme aus Osteuropa geben. In diesem Jahr mit ziemlicher Sicherheit mit aktuellen Beiträgen zum Russland-Ukraine-Konflikt bestückt. Überhaupt machen die in Programm-Blöcken kombinierten Filme einen großen Mehrwert eines Festivals aus. „Es bietet sich dem Publikum die Chance, ein Thema aus vielen Blickwinkeln und intensiver zu betrachten, als das in den schnelllebigen, aktuellen Medien möglich ist“, erklärt sie diesen Festival-Vorzug. Bei aller Internationalität bleibe besonders im Rahmenprogramm auch der regionale Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern wichtig. Auch die NDR-Kooperation und Medienpartnerschaft der dokumentART werde weitergeführt, so die neue Festivalleiterin.

Ihr sei sehr viel daran gelegen, insbesondere die traditionelle Kinder- und Jugend-dokART mit vielen Multimedia-Aspekten zu erweitern. Im Jahrgang 2014 soll es ihrem Willen nach ergänzend zu vielen Programmbeiträgen Websites, Apps oder digitale Spiele für die Kinder- und Jugendfilme geben.

Die „Neue“ bei der dokumentART ist also gut in Neubrandenburg angekommen und hat sich bereits in die Arbeit gestürzt. Ihr zur Seite stehen wiederum die Mitglieder des „Latücht e.V.“ und an den Festivaltagen viele ehrenamtliche Neubrandenburger, die Karten verkaufen, Kopfhörer verteilen oder für die ausländischen Gästen da sein werden, Wege durch die Stadt weisen oder im Notfall auch aufs Fahrrad helfen können.