Und nun das Wetter – live vom Eierhof

von Ralph Schipke

Die Sache mit der Wetterstation  auf dem Hof, wo sein Ur-Ur-Großvater Wegener noch eine Windmühle betrieben hat, war für Sebastian John eher ein klassischer Zufall.

„Ich bekam das Gerät vor neun Jahren zu Weihnachten geschenkt und es hatte einen USB-Anschluss“, erinnert er sich. Dass er den zumindest probeweise an seinen Computer anschließen musste, war ja wohl klar!

Langzeitaufnahme vom Eierhof
© Sebastian_John

Dann war es nur noch ein winziger Schritt für die Menschheit, um das Dorf Krusemarkshagen im Dreieck zwischen Lindenberg, Törpin und Altenhagen ins Word Wide Web zu bringen. Wenigstens mit regelmäßig aktualisierten Wetterdaten. Um seinen regionalen Wetterservice herum schreibt John über Beobachtungen des Alltags und stellt Fotos von seinem Dorf, seiner Familie oder von Reisen ein.

Blogger, Fotograf und Wetterbeobachter Sebastian John 
Foto: Ralph Schipke

2010 hat der Computer-Spezialist den Hof gekauft, auf dem schon seine Großmutter gelebt hat. Fußböden, Fenster und Heizung saniert. „Es können ja nicht alle weggehen“, sagt einer, der im Prinzip seit seiner Geburt das Dorf nicht verlassen hat. Auch während seiner Ausbildung blieb er hier wohnen, heute fährt Sebastian John zur Arbeit nach Neubrandenburg ins Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. Dort betreut der Informatiker die Daten-Netzwerke der Mediziner, kümmert sich um die Laptops von Chefärzten und Datenspeicher der ­Fachabteilungen.

Einige der Gehöfte der mecklenburgisch Kolonisten sind verfallen oder bereits abgetragen. Foto: Ralph Schipke

Der Krusemarkshagener könnte das theoretisch sogar von Zuhause aus erledigen. Manchmal, wenn seine Wetterstation viel Schnee anzeigt und der Winterdienst nicht hinterher kommt, sei so etwas zwangsweise sogar schon vorgekommen. Aber John schaut dann doch nicht ausschließlich über die dicke DSL-Datenleitung in die weite Welt, die am Eierhof glücklicherweise anliegt.

Es gibt in dem Straßendorf an der Landstraße zwischen Lindenberg und Altenhagen auch ein paar schmuck modernisierte Bauernhäuser. Foto: Ralph Schipke

Schon allein seinem Fotografie-Hobby könnte und wollte er nicht ausschließlich auf dem vorpommerschen flachen Land nachgehen. „Derzeit ist mein Lieblingsmotiv 83 Zentimeter groß, läuft umher und ruft Papa“, bekennt er. Zwar zeigten ein beträchtlicher Teil der im vergangenen Jahr aufgenommen 7300 Digitalfotos seine eineinhalb-jährige Tochter Emma-Marie.

Aber auch Langzeit-Naturaufnahmen von Usedom oder Architektur-Fotografien aus ­großen Städten finden sich auf seinen Festplatten und zum Teil auf seinem Blog, den er unter http://www.fukz.de/ betreibt. Auch so ein Zufall. Vor 15 Jahren hat er die Web-Domäne zum Herumprobieren angemietet. Vor fünf Jahren stellte er die Seite auf ein flexibles Blog-System um. Seither sammelt und publiziert er Fundstücke (auch gern kuriose Druckfehler aus seiner Heimat­zeitung). Oder kommentiert, dass in einem „pädagogisch wertvollen“ Kinderbuch für die Sprachentwicklung, das er seiner Tochter vorlesen wollte, der dammbauende kleine Nager zum „Bieber“ mutiert ist und aus gut gemeint ein Flop wird. 

Wenn es passt, stellt Sebastian John auch Fotos aus Krusemarkshagen in seinen Blog. „Es ist halt Heimat“, sagt er ganz unpathetisch. Hier freut er sich über die Stille oder an manchem Morgen über das Quaken der Frösche. Staunt über Schneemassen, wenn der etwas abseits liegende Eierhof mal wieder eingeschneit ist. Oder wartet geduldig zwei Stunden ab Strom­ausfall beim jüngsten Sturm, bevor die gute alte Wetterstation wieder Daten senden kann. Und verkündet bedauernd auf seiner Website: „Leider scheint meine Wetterstation sich nach acht Jahren Betrieb so langsam aufzulösen. Jedenfalls habe ich trotz frischer Batterien häufig lang anhaltende Signalverluste. Ich weiß nicht, ob ich das wieder in den Griff bekomme. Deshalb muss ich vermutlich die Wetterseite demnächst erst mal vom Netz nehmen. Eine neue Station hat aktuell keine Priorität. Spenden (auch Hardware) sind aber gerne willkommen.“

In früheren Zeiten war es üblich, dass die angesiedelten Bauern noch ein nützliches Handwerk ausüben konnten. In seiner Vergangenheit hatte das Dorf eine Gaststätte, einen Kolonialwarenhändler und verschiedene Gewerke.
Foto: Ralph Schipke

Flüstern und Schreien