Keimzeit in Neustrelitz

Die Kunst, leise zu spielen

Norbert Leisegang
Norbert Leisegang

„Und nun: Ein Stück von Heino“, kündigt Bandchef Norbert Leisegang mit einem Augenzwinkern und breitem Grinsen an. Keimzeit möchte auch etwas für die Demokratie tun.

Geigerin Gabriele Kienast tritt ans Xylofon und die Band stimmt unter dem Beifall des Neustrelitzer Publikums „Kling Klang“ an. Keimzeits ureigenen Ohrwurm, der noch aus frühem DDR-Repertoire stammt und erst 1993 auf das Album „Bunte Scherben“ kam. Gerade stürmt der Song in der Fassung von Deutsch- und Schlager-Barde Heino die Charts. Im Gegensatz zu Heino muss sich die im Brandenburgischen heimische Band nicht neu erfinden und hat sich doch erfrischend verjüngt. Ein neues Album „Midtsommer“ ist im Vorsommer auf dem kleinen norwegischen Inselchen Giske bei Ålesund entstanden. Nun ist das „Keimzeit Akustik Quintett“ damit auf Tour.

In der Basiskulturfabrik spielten die Musiker auf Einladung des „Netzwerkes für Demokratie und Toleranz“ am Aktionstag „Wir für Demokratie – Tag und Nacht für Toleranz“ auf. Bei solchem Motto konnte an diesem Abend selbst ein Heino auf die Toleranz der Keimzeit-Musiker vertrauen.

Alte Stücke in neuem Glanz

Die alten Stücke wie „Breit“, „Glasperlen“ und auch „Kling Klang“ wurden von den beiden Leisegang-Brüdern Norbert (Gitarre, Gesang) und Hartmut (Bass) so gespielt, als sei es das erste Mal. Die jungen, hinzu gebetenen und voll integrierten Instrumentalisten Gabriele Kienast (Violine, Weinglas und Xylofon), Schlagwerker Christian Schwechheimer hinter kleinem Gerät (Percussion, Plastetüte und Chorus-Gesang) sowie Gitarrist Martin Weigel treten die „Keimzeit“-Erbfolge bravourös an.

Gabriele Kienast
Gabriele Kienast

Norbert Leisegang ist so gar nicht die Rampensau und lässt Weigel, den „Benjamin“ seiner Akustik-Truppe, auch gern mal „heilige“ Stücke interpretieren. Wie „Das Projektil“ vom Album „Im elektromagnetischen Feld“ (1998). Samt doppelbödigem Schluss-Reim „Traurig nur das eine – es ist seine Geschichte, doch nicht meine.“ Zu den neuen „norwegischen“ Stücken werden an der Rückwand der Bühne Urlaubs-Dias aus Skandinavien eingeblendet. Zu anderen Stücken gibt es entzückende Zeichnungen der Malerin Martha Irene Leps zu bewundern, die Kinderbücher nach „Keimzeit“-Texten illustriert hat („Mama sag mir, warum“). Erfrischend sind Banjo, Geige und minimalistisches Schlagzeug – im Zweifelsfall gibt eine Plastiktüte in Händen von Christian Schwechheimer das Meer im Filmmusik-Klassiker „La Mer“ von Charles Trenet.

Überhaupt Filmmusik: Leisegangs und Keimzeit spielen nicht nur gern mit dem Filmorchester Babelsberg. Norbert hat auch „tonnenweise“ Filmmusik auf seiner Titelliste, und seine doppelbödigen Texte bedienen sich an Bildern aus Kinoklassikern. Ein anderes Lieblings-Sujet von Norbert Leisegang ist alles Maritime. So klingt das Keimzeit-„Piraten“-Stück, wie vier Leinwand-Teile „Pirates of the Caribbean“ in einem Lied konzentriert.

Schlagwerker Christian Schwechheimer hinter kleinem Gerät (Percussion, Plastetüte und Chorus-Gesang)
Schlagwerker Christian Schwechheimer hinter kleinem Gerät (Percussion, Plastetüte und Chorus-Gesang)

Das Album umfasst Interpretationen aus dem Keimzeit-Fundus, internationale Filmmusiken, eine Prise Französisch sowie Instrumentalstücke aus eigener Feder.

Gitarrist-Martin-Weigel
Gitarrist-Martin-Weigel

Keimzeit: Midtsommer. Bei Comic Helden (Edel).

Fotos: © Ralph Schipke

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