Der Friedhofsgärtner wird nicht der Mörder

Ostseekrimi von der Insel Usedom
Ostseekrimi von der Insel Usedom

Eigentlich wollte Reiseleiterin Elke Pupke einen Reise-Sachbuch-Krimi über Usedom schreiben. Warum es anders kam, verrät sie. Wer in ihrem zweiten Bansin-Krimi mordet, bleibt bis zum Lesen das Geheimnis der Autorin.
Wieviel Morde hat es eigentlich in Bansin schon gegeben? Das möchte wohl jeder Krimifan von Elke Pupke wissen. Schließlich hat die Autorin in ihrer Phantasie und zwei Büchern bereits jede Menge Usedomer unter nicht natürlichen oder unklaren Umständen über die Klinge springen lassen.


„Im Februar dieses Jahres ist wohl mal ein Skelett im Gothensee gefunden worden“, erinnert sich die hauptamtliche Reiseführerin auf der sonnenverwöhnte Ostsee-Insel. Bei dem Skelett soll es sich um einen 38-jährigen Mann aus der Slowakei gehandelt haben, berichtete die Lokalzeitung. Die Identität sei zweifelsfrei festgestellt worden, teilte die Polizei später mit. Spuren von Gewalteinwirkung gab es nicht. Ein klassischer Selbstmord wahrscheinlich. Eher kein Stoff für einen Ostsee-Krimi.

Hinstorffs Krimiautorin Pupke neigt in ihren beiden vorliegenden Büchern nicht zu dramatischer Darstellung von Gewalt. Am dritten Roman schreibt sie gerade. Und findet eher eine vorpommersche Miss Marple passen als Ermittlerin in ihrem Badeort auf Usedom. „Ich lese ja selbst gern Agatha Christies Bücher“, bekennt sie. Von den aktuellen TV-Kriminalisten mag sie die skurrilen Typen Ermittler Thiel und Professor Börne vom „Tatort“ Münster. Auf keinen Fall solch Action-Kram, wie neulich von Till Schweiger alias Nick Tschiller, der sich am Sonntagabend im Fernseher durch Hamburg geballert und geprügelt hat.

Die Heldin von Elke Pupke ist da von ganz anderem Kaliber. „Tante Berta ist Wirtin in Bansin und kennt jeden und weiß alles, was im Ort los ist“, erklärt sie die Figur ihrer vorpommerschen Hobby-Detektivin. Die Figur ist frei erfunden, wie alle anderen Personen im Roman. Kein Insulaner muss befürchten, als lebendige (oder tote) Vorlage für die Ostsee-Krimis herhalten zu müssen. Die von Elke Pupke spielen allerdings bislang ausschließlich an originalen Schauplätzen im Kaiserbad.

Von da oben stürzte das Opfer herab – nur im Krimi von Elke Pupke. „Mein eigentlicher Plan war ja eine Mischung aus Sachbuch und Krimi“, verrät die 1954 in Bansin geborene Schriftstellerin. Schreiberfahrung hatte sie bereits mit touristischen Texten, Artikeln in der Lokalzeitung oder bei Vorträgen über Land und Leute gesammelt. Als im Winter nicht so viel zu tun war als Reiseleiterin, setzte sie sich vor ihren Computer und schrieb einfach drauflos.

Von da oben stürzte das Opfer herab - nur im Krimi von Elke Pupke. Foto: Ralph Schipke
Von da oben stürzte das Opfer herab – nur im Krimi von Elke Pupke. Foto: Ralph Schipke

„Am Anfang spielte die Geschichte noch an einem erfunden Ort namens Seedorf“, erzählt sie frei heraus aus ihrer Krimi-Werkstatt. Doch es gab auch diesen Ort – immerhin gleich 15-mal in Deutschland verteilt. Ihr Lektor beim renommierten Rostocker Hinstorff-Verlag habe dann geraten, doch gleich den gut bekannten Heimatort zum Schauplatz des Verbrechens zu machen. „Na, dann fahr‘ ich halt im schlimmsten Fall ein halbes Jahr wo anders einkaufen“, machte die Autorin sich selbst Mut. Doch das Echo auf ihre Mords-Geschichten von der Küste fiel durchweg positiv aus. Beim Erstling gab es noch einige grundlegenden Verbesserungsvorschläge vom Verlag aus Rostock. Neben Tante Berta Kelling sollte oder musste sogar ein Polizeikommissar her. So hat sie den Kriminalhauptkommissar Schneider aus Anklam erfunden. Für weitere Details der Polizeiarbeit hat die Autorin allerdings keine Recherchen unternommen. In der ersten Geschichte war ja lange nicht klar, ob es überhaupt ein Verbrechen ist, als reihenweise Usedomer zu Tode kommen und Kneiperin Berta darüber misstrauisch wird. „Mein Lektor Florian Ostrop hatte für das zweite Buch dann kaum noch Korrekturvorschläge“, berichtet sie von ihren durchweg guten Verlagserfahrungen. „Der tickt wie ich. Die Zusammenarbeit macht einfach Spaß.“

Akribisch an der Realität orientiert sich Elke Pupke allerdings, wenn es ums Wetter oder um Ortskenntnis geht. „Meine Fischer können doch nicht Heringe fangen, wenn gar keine Saison für diesen Ostsee-Fisch ist!“, begründet sie den Perfektionismus an dieser Stelle. Jetzt sei Forelle dran – Meeresforelle! Haben ihr Bansins Fischer haarklein erklärt. Für Forellen aus der Ostsee wiederum gilt generelles Fang- und Angelverbot vom 15. September bis 14. Dezember an Mecklenburg-Vorpommerns Küsten.

„Für das dritte Buch ist die Handlung jetzt bis zum März gediehen. Am 11. März kommt eine Beerdigung im Buch vor und an diesem Tag bin ich kürzlich auch zum Friedhof gefahren und habe mir angeschaut, wie es an diesem Datum dort wohl ausschaut“, plaudert sie weiter aus ihrem Autorinnen-Nähkästchen.
Manchmal bekommt sie bei solchen Ortsterminen auch „Angebote“. So habe sie der Friedhofsgärtner gefragt, ob sie ihn nicht mal in einem ihrer Fälle reinschreiben könnte. Er wäre doch eine perfekt passende Krimifigur. Über Handlung und Täter des nächsten Buches hüllt sich Krimischreiberin Pupke in vielsagendes Schweigen und lässt sich außer vom Lektor nicht hineinreden.
Natürlich möchte sie auch vom aktuellen Buch „Das Mordhaus am Wald“, keine Auflösung des Falls oder den Namen des Mörders in der Zeitung lesen.

Vom Dach gestolpert

Nehmen wir es vorweg: Es wird viel gesoffen in diesem Buch. Aber das verwundert kaum. Spielt es doch zu großen Teilen in einer Kneipe. Und die Spürnase im Mordfall des Bansiner Hausbesitzers Steinberg ist die Besitzerin genau dieser Kneipe. Mit Menschenkenntnis und einer guten Prise Mutterwitz kommt die altersweise Tante Berta schließlich dahinter, dass der Unsympath aus der Nachbarschaft nicht zufällig vom Dach seiner Immobilie gestolpert ist, sondern geschubst wurde.

Wer nach Usedom kommt und sich bei all der Harmonie aus Sonne, Sand und Meer ein klein wenig gruseln will, dem sei der zweite Ostsee-Krimi der gebürtigen Bansinerin angeraten. Als Strandlektüre perfekt. Und reichlich Lokalkolorit würzt den nicht allzu sehr aufregenden Mordfall in direkter Strandnähe. Bansins Buchändlerin Karin Runne hat ausreichend Exemplare für die kommende Saison vorrätig. Denn der Erstling von Elke Pupke verkaufte sich nach ihrer Auskunft im vergangenen Sommer wirklich überraschend gut. Und auch in anderen Buchläden entlang der Ostsee-Küste läuft die Reihe „Ostseekrimi“ aus Rostock nicht Gefahr, ein Ladenhüter für den Krabbeltisch zu werden.

Elke Pupke: Das Mordhaus am Wald. Hinstorff-Verlag, Rostock, 2014, 336 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978 3 356 01826 4.

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