Das Weiße in der Vogelscheiße

Harry Rowohlt
Die Zuhörer und -schauer in Malchin konnten sich an Harry Rowohlts „mimischen Gewittern“
schadlos halten. Er kam mit einer Flasche Wasser (natriumarm!) über die Runden.
Foto: Ralph Schipke

Dass einem als Berichterstatter gleich auf der Freitreppe der Star des Abends beim „Auf-Vorrat-Rauchen“ abfängt und ein Interview aufnötigt, passiert eher selten. Wenn er dann in der Lesung selbst so manche Spitze gegen fehlerhaft zitierende Journalisten loslässt, kann einen der Mut schon verlassen.

An der Originalität des Multi-Quatschkopfs Harry Rowohlt kann sich sowieso kaum einer messen. Was also tun? Man klaut eine Idee von ihm. Als Übersetzer stellt er seinen Autoren – so sie noch leben – auch gerne Fragen, wie was wohl gemeint sei, um es formvollendet in die deutsche Sprache zu überführen. So vor Jahren dem US-amerikanischen Schriftsteller Kurt Vonnegut („Mann ohne Land“, 2006). Von dem wollte er wissen: Was das „Weiße in der Vogelscheiße“ denn nun eigentlich sei? Ebenfalls Vogelscheiße natürlich! – antwortete der Autor von „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ seinem Übersetzer.

Welche Fragen stellt man, der Chronistenpflicht unterliegend, einem Rowohlt, der mittlerweile 176 Bücher übersetzt, zahlreiche CDs „vollgequatscht“ hat? Der in seinem Leseprogramm erst Anfang und dann Schluss einer Kinderbuch-Übersetzung („Sie sind ein schlechter Mensch, Mr. Gum!“ von Andy Stanton) voller Verve vorträgt, zwischendurch „Kleinscheiß“ zum besten gibt (nach alter Rechtschreibung!). Der nach der Pause vier politisch absolut unkorrekte Witze erzählt, die hier auf keinen Fall wiedergegeben werden können. Der internationale Hymnen zum Vortrage bringt und „einen Hammer“ dabei hat: „Wer vorher geht, kann mir nur leid tun.“ Wer nicht gekommen war, mir persönlich auch.

Welche Fragen fragen?

1. Wer – sollte der nächste Papst werden?

2. Was – an der Wortwahl würden Sie aktuell an der Übersetzung von Mark Twains „Tom Sawyer“ ändern?

3. Wann – würden Sie in der Hamburger Elbphilharmonie vorlesen und singen?

4. Warum – müssen Sie für Ihr Programm Gema-Gebühren zahlen?

5. Wieviel – könnten sie von Ihrer Lindenstraßen-Gage eventuell abgeben, um die GEZ-Gebühren möglichst niedrig zu halten?

6. Wie – übersetzten Sie immer wieder Unübersetzbares mit so viel Leidenschaft?

7. Wo – treten Sie demnächst in Meck-Pomm oder Brandenburg auf?

Die Fragen bleiben aus Angst vor zu gewollter und eventuell abkackender Eigen-Originalität nicht gestellt und darum in Teilen unbeantwortet (zu 1. siehe politische Witze)! Ansonsten kann als Antwort interpretiert werden:

Zu 2.: Für alle Kinder ein Verslein aus dem Programm, hoffentlich exakt zitiert: „Wer Katzen fickt und Kotze kaut, der trinkt auch das, was Holsten braut.“

Zu 3.: Was haben das Malchiner Stadthaus und Schloss Bellevue gemein – H. R. hat auf den Klos beider Häuser geraucht.

Zu 4.: Hymnen und Hymen sollten Gema-frei sein.

Zu 5.: Komparsen bekommen 50 Euro Komparsengeld, Kleindarsteller haben Text und bekommen etwas mehr, auch wenn sie ihn vergessen haben oder selbst mitbringen.

Zu 6.: Für den Übersetzer gibt es keinen Unterschied zwischen Auster (oyster) und Venusmuschel (clam) – außer einem rhythmischen.

Zu 7.: Gegebenenfalls hier aktuelle Termine finden

Sehr geehrter Herr Rowohlt, sollten Sie mit dieser Wiedergabe Ihres Auftritts in Malchin nun unzufrieden sein, schreiben Sie bitte einen Leserbrief! Das wäre gut für alle, die bei Ihren Lesungen in den Käffern nicht dabei sein konnten.

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