„Wir waren und sind ja keine Polit-Rock-Band“

Silly und Anna Loos
Silly und Anna Loos

Die Band in der Besetzung Anna Loos, Ritchie Barton, Uwe Hassbecker und Jäcki Reznicek bringt ihr zweites Album „Kopf an Kopf“ heraus und geht mit neuen und alten Stücken auf Tour. Unser Mitarbeiter Ralph Schipke sprach mit den vier Künstlern über ihre Arbeit.

Die erfolgreichsten Silly-Alben kamen immer ziemlich genau auf den Punkt: „Februar“ in die Endzeit-Argonie der DDR, mit „Hurensöhne“ war der „Wende-Blues“ überwunden, und neues Selbstbewusstsein entstand im Osten der Republik. Mit „Alles Rot“ hat sich die Band mit neuer Sängerin neu erfunden. Welchen Meilenstein wollt ihr mit „Kopf an Kopf“ setzen?
Uwe: Wir können leider die Zeitmaschine jetzt nicht anwerfen: Die aufgezählten Wegpunkte waren ja alle erst in der Rückschau feststellbar. Ich glaube nicht, dass es irgendjemand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung so erkannt hat. Lass uns abwarten, was mit diesem Album passiert.

Anna: Obwohl keiner eine Zeitmaschine hatte, ist speziell auf „Februar“ und „Hurensöhne“ die Stimmung, die im Land herrschte, auf dem Album wiederzufinden. Auch der Neubeginn der Jungs mit mir lag in der Band drin. Die Jungs hatten zehn Jahre keine Silly-Platte gemacht. Ich vor „Alles Rot“ noch nie ein komplettes Album. Wenn wir eine Idee haben, was in „Kopf an Kopf“ stecken könnte, ist es aus meiner Warte das Silly-Album in der neuen Konstellation mit mir als Sängerin, wo der Ball richtig rollt. Wir sind als Band in den letzten sieben Jahren ganz eng zusammengewachsen.

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Theater ist Physik und das Chaos eine Schönheit

Theater Anklam
Dieses Plakat hängt vis-a-vis von Bordels Intendanten-Büro. Und meint nur im 1. Textteil das Gegenteil, von dem, was draufsteht. Foto: Ralph Schipke

Es widerspricht niemand, wenn Wolfgang Bordel als dienstältester Intendant eines deutschen Theaters tituliert wird. Seit 30 Jahren leitet er ein kleines aber feines Theaterimperium zwischen Anklam und Zinnowitz.

Wolfgang Bordel sieht aus wie die Taschenausgabe von Rubeus Hagrid, dem linkischen Halbriesen, Wildhüter und Hausmeister der Zauberschule von Hogwarts. Der zottelige Märchen-Zauberer wirkt auf kleine Zauberlehrlinge auf den ersten Blick beängstigend: Seine riesige Gestalt ist doppelt so hoch und fünf Mal so breit wie die eines normalen Menschen. Auch wenn Bordel von solchen Körpermaßen weit entfernt ist, kann er an der von ihm begründeten Theaterakademie in Zinnowitz auf Usedom Schauspiel-Eleven beim Aufnahmegespräch mit Fragen aus der Physik und nach der Chaostheorie verunsichern und sogar ängstigen.

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