Auf Holzfelgen eine Heldenrunde strampeln

Eine klassische Tweed-Mütze oder ein traditionelles Renn-Mützchen, dazu ein Paar Hosenträger. Wer dies hat und mag, steige auch noch in Knickerbocker. Das Starterfeld der „Velo Classico“, die am 17. und 18. September rund um Ludwigslust führt, soll gern so aussehen, wie die Helden der Straße im Filmkomödienklassiker „Schußfahrt nach San Remo“, sagt Ideengeber und Cheforganisator Detlef Koepke. „Genau das wäre das Flair, das uns vorschwebt.“

Der Penzliner Zweirad-Enthusiast Koepke dürfte Radsportfreunden in nah und fern durch die Mecklenburger Seenrunde bekannt sein. Neben dieser eher sportlich ausgerichteten 300-Kilometer-Seenrunde organisiert er bereits zum zweiten Mal die „Velo Classico“. Für die Ausrichter ist die Veranstaltung eine „Hommage an Stilepochen der Fahrradkultur“. Schließlich wachsen seit etwa einem Jahrzehnt überall in Europa stimmungsvolle Retro-Rad-Veranstaltungen, allen voran die „L’ Eroica“ in Italien und die „Anjou-Vélo-Vintage“ in Frankreich. Beide Klassiker bieten ihren Teilnehmern die Möglichkeit, Land und Leute auf verschieden langen Kursen in wunderschöner Natur vor historischer Kulisse zu entdecken.

Zudem sind alte Zweiräder Kulturgut, ist sich Detlef Koepke sicher. In den Städten besinnen sich immer mehr Studenten und junge Leute auf schlichte, robuste Stahlräder, die unkaputtbar sind. Die DDR-Marke Diamant habe klasse Rennräder für den Spitzen- und Breitensport hergestellt und 2017 feiert das Fahrrad an sich den 200. Geburtstag. Und Fahrradgeschichte ist eng mit Deutschland verwoben. Im vergangenen Jahr, schwelgt Koepke in Erinnerungen, sei ein Starter mit einem Opel-Rennrad mit Holzfelgen von 1906, ganz ohne Schaltung die 150 Kilometer durchgefahren. Mitte September kann bei der Genießer-Runde wirklich jeder mitradeln, der ein Zweirad sein Eigen nennt. Die Organisatoren wünschen sich von den Teilnehmern, sich ein wenig modemäßig in der Radfahrer-Geschichte zu orientieren. Es könne aber mit jedem Fahrrad, auch mit einem Bike neueren Baujahrs, gestartet werden, versichert Koepke.

Bei den Runden von 89 beziehungsweise 149 Kilometern gibt es jedoch ein kleines Reglement: Die Räder sollten älter als Baujahr 1989 sein und die Fahrer sollten in möglichst traditioneller Kleidung an den Start gehen.

„Bei der Helden-Runde empfehlen wir dann wirklich ein echtes Oldtimer-Rad mit klassischer Unterrohrschaltung“, wünscht sich Organisator Detlef Koepke

Worin besteht der Reiz, mit alten, gern auch historischen Fahrrädern durchs Mecklenburgische zu strampeln? Der „Velo Classico“-Organisator sieht es so: „Unser Land hat einfach sehr viele, wunderschöne Radstrecken. Leider wissen viele Leute nicht, wie schön das Binnenland von Mecklenburg ist. Sich so eine Strecke per Rad zu erschließen, ist eine der tollsten Möglichkeiten, das Land kennenzulernen, weil der Pedalritter unterwegs viel mehr sieht.“ Diesen „Ritt“ mit einem alten und etwas anstrengenden Gerät zu machen, sei eine besondere Erfahrung. Sich dabei mit Gleichgesinnten zu verabreden und ein außergewöhnliches Erlebnis mitzunehmen, das macht für Koepke den besonderen Reiz der Traditions-Radtour aus.

Das Schloss passt gut ins Radler-Flair

Warum Ludwigslust für die historische Rad-Ausfahrt gewählt wurde, liegt für ihn auf der Hand. In dieser Region schlummern viele historische und kulturelle Schätze. Die Lewitz-Region solle Leuten aus Berlin, Brandenburg oder Hamburg, natürlich auch aus anderen Landesteilen Mecklenburg-Vorpommerns nahegebracht werden. Nicht zuletzt bietet das Barockschloss eine ideale Kulisse ein schönes Fest rings ums Radfahren.

Sogar für Stände, an denen klassische Wolltrikots zu haben sein werden. Es wird auch einen Fahrrad-Teilemarkt geben. Für Sammler oder Leute, die sich ein altes Fahrrad aufbauen wollen, ist es dann möglich, sich mit originalen Ersatzteilen zu versorgen. Außerdem Musik, Ausstellungen – natürlich von musealen Fahrrädern –, und Kulinarisches aus der Region. Anmelden können Pedalritter sich im Prinzip bis fünf Minuten vor dem Start. Auch noch am Sonnabendnachmittag oder Sonntag früh, um zünftig mit Geschichte aufgeladene Radlerluft zu schnuppern.

Bis wann können sich Kurzentschlossen wohl noch melden, die vielleicht jetzt erst ihr noch Omas oder Opas Velo aus dem Schuppen kramen und vielleicht nochmal die Kette ölen müssen?
„Anmelden kann man sich im Prinzip bis fünf Minuten vorm Start“, sagt Tourchef Koepke. Auch nach am Sonnabendnachmittag oder Sonntag früh, um zünftig Radlerluft im tiefsten Meckelnburg zu schnuppern.

www.veloclassico.de

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