11 Freunde vom Dorfanger

Ohne das runde Leder ginge der Bekanntheitsgrad dieses Dorfes gegen Null. Und einer von den 11 Freunden hat es sogar auf den internationalen Rasen geschafft – mindestens bis an die Außenlinie.

„Präsi“ Andreas Gehrmann hat gute Laune, auch wenn seine Spitzen-Mannschaft zu Ostern verloren hat. Nach dem Spiel…. Bei Facebook postet SV Traktor Pentz selbstkritisch: „Mit einer deftigen 0:3 Niederlage im Gepäck traten die Fußballer des SV Traktor Pentz die Rückfahrt aus Pasewalk an. Pentz hatte sich vorgenommen auch in diesem Auswärtsspiel zu punkten. Dieses Vorhaben ging in Pasewalk gründlich daneben. Von Beginn an zeichnete sich ab, dass es für Pentz sehr schwer werden würde. Auf dem ,Kleinfeldkunstrasen‘ in Pasewalk fand Traktor Pentz keine Bindung zum Spiel.“

Als Markus Häcker mit ungefähr Dreizehn erstmals auf dem Pentzer Rasen auflief, übernahm der heutige Bundesliga-Schiedsrichter auch das Amt des Schriftführers. Er erinnert sich: „Nach den Heimspielen schnappte ich mir mein Rad, trat in die Pedale um schnell zu Mutter Muth zu rasen.“ Dort gab es den einzigen Fernsprecher im Dorf und der Jung-Fußballer telefonierte die Spiel-Ergebnisse durch. So änderten sich die Zeiten. Häcker läuft längst mit den ganz großen Kickern ins Stadium, streitet sich zur Not mit FC-Bayern-Trainer Pep Guardiola an der Seitenlinie. Wird von 36 TV-Kameras beobachtet und folgt mit seinen Schiedsrichter-Kollegen TV-Countdowns.

Dennoch: „Fußball bleibt Fußball“, sagt der hochspezialisierte Schiedsrichterassistent für Fifa und DFB. Und lässt nichts auf seinen alten Heimatdorfverein Traktor kommen. Inzwischen konnte er aus den Reihen der A-Jugend sogar ein paar aussichtsreiche Schiedsrichter-Anwärter gewinnen. „Unser Dorfverein wurde lange Jahre belächelt“, erinnert Markus Häcker sich noch gut. Er war mit als Teenie von Demmin aufs Dorf gezogen. Sein eigener Vater Siegfried Zellmer war im benachbarten Schönfeld Sportlehrer und einer der Vereins-Gründerväter. Doch für Markus wurde es schwer, ein sehr guter Spieler zu werden.

 

„Bei uns gab es nur Fußball. Und wie in Gelsenkirchen würde hier keiner sein Kind zum Schwimmen schicken“, beschreibt er die Rolle des Fußballs im kleinen Dorf Pentz. Als seine Fußball-Intelligenz statt der körperlichen Spitzen-Spieler-Verfassung entdeckt wurde, schlug er den Weg als Schiri ein. Mit aller Konsequenz und nicht weniger Ehrgeiz als die Kicker.
Sogar seine Postadresse hat er lange auf Pentz ändern lassen, aus Verbundenheit zu seinem Verein. „Obwohl ich eigentlich in Trittelwitz gewohnt habe“, gesteht er. Das liegt sieben Kilometer entfernt verschlafen an der Peene. Den Pentzer Kicker-Verein jedoch leitete er bis zum Einstand als Bundesliga-Unparteiischer. Heute wohnt die vierköpfige Familie im verkehrs- und arbeitsmäßig günstigeren Waren.

Gern erinnert er sich an ein Meisterschaftsspiel, bei dem Torgelow gegen Traktor auf heimischen Platz hätte gewinnen müssen um die Schale zu holen. „Doch sie haben bei uns auf dem Platz verloren“, ist ihn bis heute eine Genugtuung. Rein sportlich.
Fairness und Verantwortung habe er beim Pentzer Fußballverein von Anfang an gelernt. Und die ist dem 41-jährigem Vermessungsingenieur bis heute wichtig, auch wenn er auf internationalem Rasen pfeift und im Lichte der großen Fußballöffentlichkeit steht. Es empört ihn immer, dass bei seinem jüngsten Länderspiel Russland und Montenegro Russlands Torwart mit einer aus dem Fanblock abgeschossenen Feuerwerks-Rakete getroffen und regelrecht in Brand gesetzt wurde.

Der aktuelle Vereinschef Andreas Gehrmann ist ebenso wie Häcker anhaltend begeistert, wie in Pentz Dorf und Mannschaft – Fans und Spieler – als eine große Familie verbunden sind. Der neue Platz sei vor drei Jahren mit großer Unterstützung ansässiger Unternehmen gebaut worden. Einer aus dem Team aktualisiert die Facebookseite. Andere pflegen den Rasen. Jemand frickelt eine Smartphone-App: „Mit der offiziellen SV Traktor Pentz e.V. App seid ihr immer auf dem neusten Stand.“, ist in allen virtuellen App-Stores zu lesen. Auch von Traktors Brandt-Duo, das den Heimsieg sicherte und vom Tabellenplatz 6 in der Landesliga. Der A-Kader der Amateure ist – ganz zum Stolz von Gehrmann und der ganzen Pentzer Fangemeinde – fast ausschließlich mit eigenem Nachwuchs besetzt.
Gehrmanns Sohn spielt in der 1. Männermannschaft. Er selbst – total fußballverrückt – habe seine Spielerkarriere so lange herausgezögert, um einmal mit Sohnemann Dustin in derselben Mannschaft zu spielen.

Markus Häcker hingegen muss noch warten, bis sein Jüngster (2) richtig ans runde Leder tritt. „Hat aber einen schönen Schuss der Lütte“, sagt er. Wenn er aber Judo oder einen anderen Sport treiben möchte – ist’s auch Recht. „Ich würde ihn auch dabei unterstützen.“ Obwohl die Pentzer Fußballtradition eigentlich immer vom Vater an den Sohn weitergereicht wird.