Wie man sein schönes Leben nicht gelegentlich gegen die Wand fährt

Die Bipolar Roadshow versteht sich als Aufklärung und Anti-Stigma-Projekt. Drei betroffene Künstler singen und lesen selbstbewusst und offen über ihre Erkrankung. Vom Gitarristen Martin Kolbe erfuhr Ralph Schipke, was da auf das Publikum zurollt. 

Sbwohl bei der Roadshow, als auch in meiner Arbeit als Betroffenenvertreter in der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) wird sich auf verschiedene Art und Weise mit dem Thema auseinandergesetzt. Foto: Ralph Schipke

Aufklärung über eine der schwersten und häufigsten psychischen Erkrankungen in Musik und Literatur zu verpacken – ein eher unkonventioneller Weg?

In der Tat. Und genau deshalb machen wir das auch. Wir erreichen die Leute mit Musik und Literatur direkter und auf einer anderen Ebene als zum Beispiel mit einem Fachvortrag.

Was wird dem Publikum bei der „Bipolar Roadshow“ geboten?

Wir starten mit einer ganz kurzen Einführung ins Thema: Wie die Symptome aussehen, was Betroffene und Angehörige tun können, welche Verbindung es zwischen Kreativität und Erkrankung gibt. In Lübeck durch Professor Fritz Hohagen vom Zentrum für Integrative Psychatrie der Universität zu Lübeck. Greifswald gibt Professor Jens Langosch vom Ev. Krankenhaus Bethanien diese Informationen. In Neubrandenburg Dr. Rainer Kirchhefer, Chefarzt des Zentrums für Seelische Gesundheit am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. Im Mittelpunkt steht dann jedoch die Kultur.

Richtet sich die Show an Betroffene oder einfach an jeden (Gitarren-)Musikfan und Literaturliebhaber?

Wir wollen auch, aber nicht in erster Linie Leute erreichen, die sowieso Bescheid wissen, sondern am liebsten einem „Straßenpublikum“ mal erzählen, was in unserem Leben so los ist. Der aufklärerische Hintergedanke dabei: Die Hälfte aller Betroffenen wissen nicht, dass sie eine Bipolare Störung haben, dass es eine Krankheit ist. Viele meinen, sie haben halt so einen Charakter, mit dem man sein Leben ab und zu gegen die Wand fährt. Und wissen also nicht, was sie dagegen tun könnten. 

Verraten Sie doch bitte, was Autor Sebastian Schlösser dagegen getan hat und in die Roadshow einbringt!

Er liest aus seinem Buch „Lieber Matz, dein Papa hat ‘ne Meise“. Darin erzählt er in Briefen an seinen Sohn von seinem Aufenthalt in der Psychiatrie. Das ist sehr unterhaltsam, heiter, komisch – auch ernst.

Und Flowin Immo alias Immo Wischhusen?

Dieses Urgestein des deutschen HipHop kommt mit „Das Leben ist ein Wunschkonzert“ auf die Bühne. Er betritt sie und weiß nicht, was passieren wird. Er lässt sich aus dem Publikum spontan Begriffe zurufen und baut die ein, in Ad-hoc-Songs. Das reimt sich, ist lustig, hat trotzdem Tiefgang – einfach verblüffend. 

Ist diese intensive Art der Beschäftigung mit dem eigenen Schicksal Teil des Umgangs mit der Krankheit? 

Ich denke schon. Sowohl bei unserer Roadshow, als auch in meiner Arbeit als Betroffenenvertreter in der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) bin ich täglich gezwungen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Selbstreflexion kommt dabei ganz automatisch: Wie bin ich gerade drauf? Ist alles im grünen Bereich? Das kann wirklich sehr hilfreich sein, aber ich mache das alles nicht in erster Linie aus therapeutischen Gründen.

Seit ihrer Jugend sind sie Musiker. Was ist für sie selbst neu und überraschend an diesem speziellen Programm?

Früher hab ich einfach Musik gemacht, nennen wir es mal virtuose Gitarrenmusik. 1987 musste ich meine Karriere wegen der Krankheit unterbrechen; ich konnte nicht mehr live spielen. In dieser Zeit sind Songtexte zur Bipolaren Störung entstanden – „Songs from the Inside“. So kam es schließlich zu solch einem speziellen Programm um ein Thema: Die Erkrankung und was sie mit mir gemacht hat. 

Eine sehr persönliche Frage: Wie geht es ihnen gegenwärtig mit ihrer Krankheit?

Ich hab 2003, nach 26 Jahren, endlich begriffen, wie ich mit der Sache umgehen muss. Glaube nun, einen guten Weg gefunden zu haben. Denn seit damals bin ich stabil, mit kleinen Schwankungen nach oben. Die konnte ich aber jeweils einfangen. So war Manie keine Gefahr mehr für mich. Ich bin glücklich, endlich einen Umgang damit gefunden zu haben. 

Was würden Sie anderen Betroffenen raten, eine möglichst hohe Lebensqualität zurückzugewinnen und wieder Dinge tun zu können, die ihnen wichtig sind, wie sie es selbst mit ihrer Musik und der Arbeit in der DGBS schaffen?

Eine ganz schwierige Frage. Ich habe festgestellt, es gibt so viele Bipolare Störungen, wie es Betroffene gibt. Jede und jeder ist anders. Es finden sich zwar auch Gemeinsamkeiten; viele erleben sehr ähnliche Dinge in der Manie und auch in der Depression. Doch dann gibt es ganz individuelle Verläufe und Ausprägungen. Das macht es auch so schwierig, den richtigen Umgang damit zu finden. Patentrezepte gibt es nicht. Was aber auf jeden Fall hilft: So viel wie möglich über die Erkrankung zu lernen, sich wirklich damit auseinanderzusetzen.

Träumen sie heute gelegentlich noch von ihren Super-Erfolgen als Gitarrist in den 1980er Jahren? Würden Sie noch einmal so auf der Überholspur leben wollen?

Gute Frage. (Lacht.) Es war ja nicht gerade Sex, Drugs und Rock ‚n’ Roll damals. Und das ist auch irgendwie abgeschlossen für mich. Aber nochmal träumen… Ja! Ich freue mich immer, Konzerte geben zu können. Aber die Musikszene hat sich so enorm verändert. Von Musik leben zu wollen und Konzertsäle zu füllen, ist schwer geworden. 

Dr. Rainer Kirchhefer Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie Dietrich Bonhoeffer Klinikum in Neubrandenburg trägt viele Hintergrundinformationen zu der Krankheit in der Roadshow vor. Foto: Ralph Schipke

So ein Dingsbums auf dem Dach

„Dachpinökel“ – darauf muss ein Übersetzer erst mal kommen. Wikipedia bleibt nach der Eingabe dieses Wortes stumm und es erfordert einiger Suchbemühungen, um dieses Wort überhaupt zu finden. Außerdem könnte es auch noch Pinöckel, Pinöppel, Pinöpel oder Pinörpel heißen. Kommt aus dem norddeutschen Sprachgebrauch. Ist im Prinzip ein Jokerwort und kann für alles Mögliche stehen für jedes „Dingsbums“ gewissermaßen.

Aber einfach Dingsbums konnte Übersetzer Harry Rowohlt nicht genügen, als er Padgett Powells Anti-Helden und Hilfsdachdecker Wayen auf dem „Schrottplatz der gebrochenen Herzen“ so spitze Dinger auf dem einem Dach lustlos vermessen lässt – Dachpinökel halt.

Ach ja – Lust. Die spielt in den Geschichten um verschiedene verkrachte Südstaaten-Existenzen, denen Powell eine literarische Existenz verleiht, eine wichtige – wenn nicht sogar die Hauptrolle. Wie schon der Titel ahnen lässt. Allerdings führt die (körperliche und sinnliche) Lust meistens an die Abgründe menschlicher Existenz. Die Helden sind durchweg nicht bereit und in der Lage, sich den herrschenden Konventionen zu unterwerfen. Da ist der Dreikäsehoch, der einen Rasenmäher kidnappt um eine (über-)reife Southern Lady – Mrs. Hollingsworth – zu beeindrucken, sowie wenigstens in seiner pubertären Fantasie mit ihr zu schlafen wünscht. Und sie will es doch auch!

Die Zuhörer und -schauer in Malchin konnten sich an Harry Rowohlts „mimischen Gewittern“ schadlos halten. Er kam mit einer Flasche Wasser (natriumarm!) über die Runden. Foto: Ralph Schipke

Wer es skurril mag und das Spiel mit Sprache liebt, hat den richtigen Griff mit diesem Buch getan. „Shades of Grey“ ist dagegen kalter Muckefuck oder Whiskey mit ganz viel Eis samt Strohhalm, auf dem Niveau von Blümchensex.

Für die sprachlich aller-oberste Liga garantiert Übersetzer Harry Rowohlt (Lindenstraße, Pu der Bär, Flann O’Brien), der wohl zu den wenigen seiner Zunft gezählt werden darf, die als Verkaufsargument und Kassenschlager des Verlages auf den Buchumschlag gedruckt gehören.

Er ist halt einer, der uns so schöne Wörter wie die Pinökel – das als Wort einfach gern anstelle irgendwelcher eher unnormaler kleinerer Dinge benutzt werden kann – schenkt. Ein Wort, das nicht mal im Duden zwischen Pinocchio, Pinole und Pinscher einen würdigen Platz finden durften. Jedoch auf Waynes Dach, in der Geschichte von Powell in der Übersetzung von Rowohlt.

Ralph Schipke

Padgett Powell: Schrottplatz der gebrochenen Herzen – aus dem Englischen von Harry Rowohlt, Berlin Verlag, 299 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 9783827003089.

Über die Käffer nach Malchin

In seinem Job als „Über-die-Käffer-Tingeler“ besuchte Harry Rowohlt die Lesegemeinde im tiefsten Mecklenburg. Der Geschichtenerzähler, „Lindenstraßen“-Penner, Nicht-Verlags-Chef, Übersetzer und Sankt-Pauli-Fan war ganz und gar trocken, über große Strecken rauchfrei und hatte viel Neues zu erzählen.

Dass einem als Berichterstatter gleich auf der Freitreppe der Star des Abends beim „Auf-Vorrat-Rauchen“ abfängt und ein Interview aufnötigt, passiert eher selten. Wenn er dann in der Lesung selbst so manche Spitze gegen fehlerhaft zitierende Journalisten loslässt, kann einen der Mut schon verlassen.

An der Originalität des Multi-Quatschkopfs Harry Rowohlt kann sich sowieso kaum einer messen. Was also tun? Man klaut eine Ideen von ihm. Als Übersetzer stellt er seinen Autoren – so sie noch leben – auch gerne Fragen, wie was wohl gemeint sei, um es formvollendet in die deutsche Sprache zu überführen.

So vor Jahren dem US-amerikanischen Schriftsteller Kurt Vonnegut („Mann ohne Land“, 2006). Von dem wollte er wissen: Was das „Weiße in der Vogelscheiße“ denn nun eigentlich sei? Ebenfalls Vogelscheiße natürlich! – antwortete der Autor von „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ seinem Übersetzer.

„Wer vorher geht, kann mir nur leid tun“

Welche Fragen stellt man, der Chronistenpflicht unterliegend, einem Rowohlt, der mittlerweile 176 Bücher übersetzt, zahlreiche CDs „vollgequatscht“ hat. Der in seinem Leseprogramm erst Anfang und dann Schluss einer Kinderbuch-Übersetzung („Sie sind ein schlechter Mensch, Mr. Gum!“ von Andy Stanton) voller Verve vorträgt, zwischendurch „Kleinscheiß“ zum besten gibt (nach alter Rechtschreibung!). Der nach der Pause vier politisch absolut unkorrekte Witze erzählt, die hier auf keinen Fall wiedergegeben werden können. Der internationale Hymnen zum Vortrage bringt und „einen Hammer“ dabei hat: „Wer vorher geht, kann mir nur leid tun.“ Wer nicht gekommen war, mir persönlich auch…

Die große Windhose zu Woldegk

Der „Windwirbel“, der vor über 250 Jahren in Mecklenburg wütete, gilt als einer der mächtigsten Wirbelstürme, die je über Deutschland tobten.

So wurde der Jahrhunderttornado vor 250 Jahren dokumentiert.
Bild: Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern

Die Beschreibung des Unwetters, das dort im Hochsommer vor genau 250 Jahren wütete, liest sich wie aus der Geschichte des russischen Märchenerzählers Alexander Wolkow entliehen. In „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ wird das Mädchen Elli durch einen gewaltigen Sturm, der von einer bösen Hexe entfacht wurde, samt Haus und Hündchen Toto in die Fremde verschlagen.

Genau von einen solchen Wirbelsturm ist in der „Beschreibung des Orcans, welcher den 29ten Jun. 1764. einen Strich von etlichen Meilen im Stargardischen Kreise des Herzogthums Mecklenburg gewaltig verwüstet hat, in einigen Briefen an des Herrn G.C.R.S. Wohlgeb. in Neustrel. entworfen von G. B. Genzmer. Präpositus und Pastorn in Altstargard im Mecklenburgischen“ zu erfahren.

Auf einmal rücken Orkane in Kansas oder Taifune in Bangladesch ganz in die Nähe. Wenn auch nicht zeitlich, so doch räumlich. Vor zweieinhalb Jahrhunderten sollen im Sommer auch in Woldegk Scheunen, Bäume und Pferdewagen durch die Luft geflogen sein, beschreibt der akribische Beamte aus Stargard nach seiner Vor-Ort-Recherche.

Ein verheerender Tornado suchte am 29. Juni 1764 die Gegend um Woldegk im östlichen Mecklenburg nahe der Grenze zur Uckermark heim. Auf einer Länge von knapp 30 Kilometern und in über 900 Metern Breite verwüstete er einen idyllischen Landstrich in geradezu unglaublicher Weise.

Genzmer, ein Pastorensohn aus Hohen-Lübbichow in der Neumark, studierte in Halle Theologie und hatte vielseitige Interessen, darunter Naturwissenschaften und die klassische Antike. Von 1745 bis 1756 wirkte er als Prinzenerzieher am herzoglichen Hofe, bis ihm die angesehene Propstei in Stargard übertragen wurde.

Eine Schneise der Verwüstung

Die Schilderung über den Tornado und seine Folgen, der im Frühsommer 1764 gewütet haben soll, erscheint auch heute durchaus plausibel, schätzt Bernhard Mühr vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ein. „Der 29. Juni liegt im Zeitraum des frühsommerlichen Tornadomaximums. Eine 30 Kilometer lange Schneise der Verwüstung erscheint zwar recht lang, kann aber bei besonders intensiven Tornados durchaus auftreten.

Bei einer üblichen Verlagerungsgeschwindigkeit von durchschnittlich 50 Kilometer pro Stunde ergäbe sich daraus für den Bodenkontakt des Tornados ein noch realistischer Zeitraum von 36 Minuten“, erklärt der Wissenschaftler mit dem Spitznamen der „Wolkenjäger“.

Detailierte Dokumentation

In sieben Briefen an den herzöglichen Minister in Neustrelitz schilderte der historische Zeitzeuge G. B. Genzmer seine Recherchen zum Sturm. Die ausgesprochen detaillierte Auflistung von Schäden findet später sogar in Auszügen Eingang in eine Monografie „Wind- und Wasserhosen in Europa“ (Vieweg Verlag, 1917) des berühmten Polar- und Klimaforsches Alfred Wegener.

Aus den historischen Quellen lässt sich ableiten, dass der Sturm heute eine Einstufung als Tornado der Stärke F5 (T11) der Fujita-(Torro-)Skala erhalten würde, womit dieses Ereignis alle anderen bisher aus Deutschland bekannten Windhosen an Heftigkeit übertreffen würde.

„Informationen über besondere Wetterereignisse aus vorhergehenden Jahrhunderten finden sich oft in alten Chroniken, die manchmal sehr akribisch angefertigt wurden und einen wertvollen Schatz darstellen können, um extrem seltene Wetterereignisse – Tornados, extreme Niederschläge, Hitze, Trockenperioden – zu bewerten und einzuordnen“, würdigt Meteorologe Bernhard Mühr heute die Arbeit des Wetterchronisten aus dem 18. Jahrhundert.

Gottlob Burchard Genzmer, der 1771 im heutigen Burg Stargard verstarb, dokumentiert die Folgen äußerst exakt. Er befragt Zeugen. Misst Umfänge mächtiger Eichenstämme, die entwurzelt an den Alleen liegen, und die Dicke knapp aus dem Boden ragender Grundmauern, auf denen zuvor noch ganze Häuser gestanden hatten. Genzmer schreitet persönlich die Strecke ab, die zwischen einer Scheune und dem weggewehten Dach liegt, er fertigt Zeichnungen verdrehter Äste an und sendet alles an die zuständige Verwaltung nach Neustrelitz.

„Damals wie heute können Tornados, auch heftige, in Deutschland vorkommen“, sagt Diplom-Meteorologe Bernhard Mühr. Doch: Solche Kaliber wie die Tornados von Feldberg (1764) oder Pforzheim (1968) bleiben eine seltene Ausnahme.
 
Die Schadenshöhe steigt

Zumindest die Schadensanfälligkeit für Tornados habe sich jedoch angesichts der stark zugenommenen Siedlungsflächen und Industriegebieten dramatisch erhöht, warnt er. Ob wir heute von solchen extremen Wetterereignissen ebenso überrascht wären wie die Mecklenburger damals 1764, darüber kann der wissenschaftliche Wolken- und Naturbeobachter vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung nur mutmaßen.

„Eine Vorhersage, wo und wann genau ein Tornado auftreten wird, kann nicht gemacht werden.“ Einschätzungen seien aber mit modernen wissenschaftlichen Methoden und auch durch die Analyse solcher historischen Darstellungen dahingehend möglich, ob die Wetterlage und die atmosphärischen Bedingungen es zulassen, dass sich überhaupt heftige Gewitter (sogenannte Superzellen) bilden. Und mit ihnen möglicherweise auch Tornados. Auch in welcher Region das bevorzugt der Fall sein könnte.

Vor dem Tornado selbst könne, so Bernhard Mühr, nur gewarnt werden, wenn er bereits entstanden ist. Die Vorwarnzeit für die auf der mutmaßlichen Zugbahn liegenden Gebäude beträgt dann allenfalls wenige Minuten. Den besten Schutz bilden massive Gebäude oder Keller, die größte Gefahr geht von umherfliegenden Trümmern aus.

„Eine Vorhersage, wo und wann genau ein Tornado auftreten wird, kann nicht gemacht werden.“ Foto: Ralph Schipke

EXTREME WETTERLAGEN

Wetterwarnungen gibt es vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT): www.wettergefahren-fruehwarnung.de

Eine Sammlung extremer Naturereignissen hat Thomas Sävert im Internet veröffentlicht, unter anderem eine Tornadoliste: www.tornadoliste.de

Der Originalbericht von Gottlob Burchard Genzmer als PDF-Datei: www.tordach.org/pdf/Genzmer1765.pdf

Erschienen 12.9.2014 in der taz.

Nacktheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Toleranz ist die wichtigste Camper-Tugend – auch beim FKK-Camping. Zwei Nacktcamp-Veteranen erinnern sich noch gut an die Anfänge.

Die Ottos aus Dresden kommen schon seit vielen Jahren zum Urlaub im Freien in die Mecklenburgische Seenplatte. Foto: Jenna Dallwitz – www.jennadallwitz.de

Um die Freikörperkultur im Osten der Republik ranken sich viele Legenden. Darunter die: In den 50er Jahren soll Kulturminister Johannes R. Becher in den Dünen des Darß eine nacktbadende Frau angeschrien haben mit den Worten: „Schämen Sie sich nicht, Sie alte Sau?“ Denn nicht allen Funktionären war die körperliche Freizügigkeit damals recht. Allein: Die „alte Sau“ war die Schriftstellerin Anna Seghers, Autorin unter anderem des weltbekannten Romans „Das siebte Kreuz“.

Doch allem Offiziellem zum Trotz wurde alsbald nicht nur nackt gebadet, sondern auch gecampt. Auch an den Binnenseen der Mecklenburgischen Seenplatte. Zwei Dresdner Nackt-Camper, Edda und Dietmar Otto, konnten einiges davon direkt miterleben. Sie sind bis heute Anhänger hüllenloser Urlaubsfreuden. Auch in diesem Frühjahr starteten sie planmäßig ihre hüllenlose Saison auf ihrem Stammplatz – dem FKK-Camping am Useriner See nahe der Stadt Neustrelitz, nördlich von Berlin.

„Damals haben wir für 1,50 Ostmark pro Tag hier ab Mai gleich für vier Wochen gebucht“, erinnert sich das Paar – sie war bis zur Pensionierung Krippenerzieherin, er Maschinenbauingenieur. Ganz am Anfang hätten die Camper noch alles Organisatorische selbst in die Hand genommen.


Der ganze Beitrag erschien in Magazin „Der Fritz“ in der auschließlich gedruckten Ausgabe vom 13. Juni 2014. Später wurde das Thema vom FKK-Camping in der Seenplatte auch von der Regionalzeitung Nordkurier aufgegriffen.

Danke an Jenna Dallwitz – www.jennadallwitz.de – die beim ersten Mal die tollen Fotos für den Fritz gemacht hat. Leider hat sich das Magazin aus Berlin/Brandenburg nicht am Markt gehalten.